50. Internationaler Hotzenwaldwettbewerb 2013

18.-25.05.2013

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Geschichte

 

Zum Jubiläum wurde eine Chronik erstellt. Diese kann im Downloadbereich in Web-Qualität heruntergeladen werden

“Zurzeit veranstaltet die Luftsportgemeinschaft Hotzenwald auf dem Fluggelände Hotzenwald einen Streckenflugwettbewerb nach internationalen Bedingungen. Zur Austragung kommen Zielstreckenflüge, Zielstreckenflüge mit Rückkehr zum Startplatz, Dreiecksflüge, bei denen zwei vorher bestimmte Wendepunkte angeflogen werden müssen, mit Landung direkt wieder auf dem Startplatz, Flüge auf Kurslinie, freie Streckenflüge, wobei  die Strecke vom Start- zum Landeplatz gewertet wird. Flüge mit einer Wertungsstrecke unter 20 km werden nicht gewertet. Am Wettbewerb nehmen etwa 25 Piloten teil, die sich auf 10 Segelflugzeugen täglich abwechseln” - so berichtete eine Tageszeitung im Jahre 1964 zum ersten Segelflugwettbewerb in Hütten. Auf den ersten Blick hat sich gar nicht so viel geändert - zumal die geflogenen Strecken auf K 6, L-Spatz oder Vasama bis zu 300 km betrugen.

Hermann Kramer - Ehrenmitglied der Segelfluggruppe Wehr feierte im vergangenen Jahr sein 75-jähriges Fliegerjubiläum und war bei jedem Wettbewerb an der Startlinie vertreten bei den ersten zehn Austragungen sogar als Flugleiter. Er erinnert sich noch besonders gut an die jungen Jahre des Hotzenwaldwettbewerbes. Anfang der 60er Jahre, Doppelraab und Grunau Baby wurden durch bessere Konstruktionen abgelöst, kam Fritz Rueb (Segelfluggruppe Maulburg)  mit dem L-Spatz und seinem Rückholer Kurt Springer (Segelfluggruppe Rheinfelden) begeistert vom Rhönwettbewerb zurück. Im Gepäck hatten die beiden die Idee, einen eigenen Segelflugwettbewerb auf dem Hotzenwald ins Leben zu rufen.

An zwei Wochenenden sollte 1963 das erste „Vergleichsfliegen“ stattfinden. Die eingesetzten Flugzeuge waren in der Mehrzahl Spatzen, Ka8en und Ka6en mit Gleitzahlen von 25 – 30.

Die erste Tagesaufgabe war ein Ziel-Rückkehrflug zum Kandel und zurück. Funkgeräte gab es erst vereinzelt und ein Fotoapparat war schon etwas Besonderes. Zur Beurkundung musste ein Beobachter auf den Kandel und viertelstündlich weiße Tücher als Sichtzeichen auslegen, die sich die Piloten merken sollten.

Der „Flugbeobachter“ war Hermann Kramer. Er verbrachte den ganzen Tag auf dem Gipfel und erinnert sich noch gut:  “Die Tagesaufgabe war ein Zielrückkehrflug Hütten-Kandel-Hütten, 91 km. 10 Teilnehmer waren am Start und in 40 Minuten waren alle in der Luft. Startzeit war auch Abflugzeit. Am Wendepunkt Kandel wurden mit drei Tüchern Zeichen ausgelegt, die alle 15 Minuten geändert wurden. Diese Zeichen mussten die Piloten mit der Überflugzeit bei der Landung am Platz abgeben. Ich selber brachte mit unserer Schriftführerin, Fräulein Hermann, diesen Tag auf dem Kandel zu und musste die Fragen der vielen Kandelbesucher, was unser Tun zu bedeuten hätte, beantworten. Wir erklärten ihnen, wie wichtig unsere Aufgabe war. Immerhin hatten 8 von 10 gestarteten Piloten den Kandel umrundet. Heimgekommen sind dann drei.” Die mit Ferngläsern ausgerüsteten Sportzeugen bei der Deutschen Meisterschaft in Freiburg hatten es ein Jahr zuvor einfacher. Sie wurden mit Bundeswehr-Hubschraubern zu den Wendepunkten geflogen und  auch wieder abgeholt.

Für die Auswertung der Flüge standen noch keine Computer zur Verfügung. Das machte alles Wettbewerbsleiter Kurt Springer mit dem Rechenschieber, mit dem er hervorragend umgehen konnte. Am nächsten Tag war schlechtes Wetter, so dass der erste Hotzenwaldwettbewerb noch nicht als Meisterschaft gezählt wurde.

Der erste offizielle Hotzenwald-Segelflugwettbewerb fand daher erst im Jahre 1964 an zwei Wochenenden statt.

Gestartet wurde an zwei Seilwinden. Die Ausklinkzeit war auch die Startzeit. Fritz Rueb hatte mit seinem L-Spatz schon einige beachtliche Streckenflüge gemacht und als einziger Pilot Wettbewerbserfahrung. Seine Leistung war der Maßstab für die meisten Streckenfluganfänger, die eher den Rat eines schwäbischen Rückholers beherzigten „obebleibeakomme“.

Ab 1966 wurde nur noch im Flugzeugschlepp gestartet. Der McCready-Ring war inzwischen in allen Flugzeugen, das Elektrische Vario befand sich noch in der Erprobung. Experimentieren mit der  Kompensation für Grob- und Feinvario, ein Buch mit sieben Siegeln, gehörte dazu und wurde ständig verbessert.

Was aber zählte, waren die gemeinsamen Flugerlebnisse, das kameradschaftliche Miteinander und die freundschaftliche Atmosphäre unter Segelfliegern.

Das hat den guten Ruf des Hotzenwald-Segelflugwettbewerbs weit über die Grenzen des Schwarzwaldes hinausgetragen.

“Wer heute ein Fest machen will, der hat es schon schwer. Unser Wettbewerb war auch ein Fest, weil man dort nämlich fest fliegen musste um über die Runden zu kommen. Die Wettbewerbsleitung sass trübe auf dem delphischen Dreibein und orakelte an der Tagesaufgabe herum. Das war nämlich gar nicht so einfach, denn was uns die BFS-Schtueget kartenmässig übrig gelassen hatte zwang zu einer Art Slalom, wobei die Rollwendigkeit der Maschinen besonders zu Buche schlug. Ja Herrschaften - gibt’s denn nur noch Jumbos auf der Welt? Merkwürdigerweise klemmt es bei allen Wettbewerben mit den Wertungstagen. Heute wissen wir - die Sonnenflecken sind schuld.” - schrieb Kurz Springer zur Segelflugwoche 1972, auch beim Wetter hat sich leider nichts geändert. Mit der professionellen meteorologischen Unterstützung von Dr. Manfred Reiber gelingt es uns heute mehr denn je, fast immer das passende Wetterfenster und die passende Aufgabe zu finden. Der wettertechnische Tiefpunkt des Hotzenwaldwettbewerbs konnte 1983 verzeichnet werden, 42 Teilnehmer warteten von Samstag bis Samstag vergebens auf das Ende des Regens - “es regnete nur einmal” berichtet Werner Kramer, und lacht.

“Von 20 beteiligten Maschinen waren noch 55% aus Holz gebaut, 40% aus Kunststoff und 5% aus Leichtmetall. Die drei ersten Sieger flogen auf Kunststoffmaschinen. Es ist nicht zu leugnen, dass die Holzzeit unter dem fliegerischen Konstruktionshorizont verschwindet. Es beginnen schlechte Zeiten für Holzwürmer und wohnungssuchende Mäusefamilien. Ich sag’s ja - kein Platz für wilde Tiere” - nur der Bergfalke 4 WL aus Mühlheim kann sich bis heute am Hotzenwaldwettbewerb gegen dieses Zitat von Kurt Springer aus dem Jahre 1972 behaupten und ist bei gutem Wetter durch seinen Index als Duoschreck bekannt.

“Die Piloten haben bereits ihre Maschinen auf höchste aerodynamische Güte gebracht und studieren die tägliche Wetterkarte welche den Weg zum Erfolg bahnen hilft. Eine Chance haben nur Jene, welche fliegerisches Geschick besitzen und die atmosphärischen Kräfte richtig einschätzen und ausnutzen können.” - so ein Zeitungsartikel aus dem Jahre 1967.

In den bisher 49. Hotzenwaldwettbewerben gelang dies drei Piloten besonders gut: Peter Simon, damals  Segelfluggruppe Lörrach, gewann den Wettbewerb zehn Mal auf dem Nimbus 3 (1986-1996), Fritz Rueb von der Segelfluggruppe Maulburg acht Mal auf der Vasama und später mit einer Libelle, dem Std. Cirrus und einem Nimbus (1964-1977). Claus-Dieter Zink von der Segelfluggruppe Grenzach war dabei sein stärkster Konkurren, ihm gelang der Sieg fünf Mal mit einer K 6E und später mit seinem allerseits bekannten Mistral C (1974-1979).

Karl Enggist (seinerzeit Segelfluggruppe Lörrach) hat das Erbe von Kurt Springer 1976 übernommen und war 25 Jahre ein souveräner Wettbewerbsleiter. 2001 - 2010 leitete Eckart Neubronner (Segelfluggruppe Wehr)  zehn Mal den Segelflugwettbewerb und durfte zum ersten Mal eine Strecke über 500 km ausschreiben. Seit 2011 bestreiten Frieder Göltenbott (Segelfluggruppe Dreiländereck) und Marcus Neubronner (Segelfluggruppe Wehr)  abwechslungsweise und im Team die Wettbewerbsleitung. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle unermüdlichen Helfer.

Mit 49 Segelflugwettbewerben handelt es sich bei dem Hotzenwaldwettbewerb um den Streckenflugwettbewerb in Deutschland mit der längsten unterbrechungsfreien Wettbewerbstradition. Wir freuen uns gemeinsam mit Ihnen vom 18.-25.05.2013 den 50. internationalen Hotzenwaldwettbewerb in der Einsitzer- (mit Index) Doppelsitzer- und 18-Meter Klasse auszutragen und dieses Jubiläum gebührend zu feiern.

In all den 49 Hotzenwaldwettbewerben wurde zwar das Material nicht geschont, aber es kam kein Pilot zu Schaden - wir wünschen viele Teilnehmer zum 50. Hotzenwaldwettbewerb über Pfingsten auf unserem Fluggelände begrüssen zu dürfen und hoffen auf einen weiteren unfallfreien Streckenflugwettbewerb. Fernglas und Fotoapparat dürfen gerne mitgebracht werden, denn unser wunderschönes und thermikbeglücktes Fluggebiet reicht vom Schwarzwald über die Schwäbische Alb bis hin zum Schweizer Jura. Weitere Informationen auf http://wettbewerb.lg-hotzenwald.de

Autoren der Luftsportgemeinschaft Hotzenwald